Schöne Umschreibung für ›unsportlich-dicklich‹

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“Statur etwas ungriechisch.” Oskar Schlemmer, 1927


Zitat-Ausbeute

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“Was der Mensch an Überblick gewinnt, verliert er an Einsicht.“ Oskar Schlemmer, 1923


Verhipstert.

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Das Café Wahlen in Köln ist bekannt für hervorragenden Kuchen und authentische 50er Jahre Atmosphäre. Interieur und Tapeten machen in Kombination mit den in pastellfarbene Kleidung gehüllten Damen ist eine Zeitreise erschwinglich. In einer Phase der Rückwärtsgewandtheit beschloss ich daher, diesen Ort aufzusuchen. Schon aus 50m Entfernung musste ich feststellen, dass ich nicht die einzige ›junge Dame‹ war, die dieses Bedürfnis verspürt hatte. Das Café war voll mit jungen Hipstern, einige ältere Damen und Herren mussten wie ich auf einen Tisch warten während Bio-Mütter im Innenraum ihre Babys stillten und Magazinlesende sich ihre Hornbrillen zurecht rückten. Der Blick durch selbige dürfte sie enttäuscht haben, denn offenbar war die ›Gentrifizierung‹ des Cafés schon so weit fortgeschritten dass nicht nur die auf Distinktion bedachten Hipster das Café aufsuchten, sondern auch die, von denen man sich so gern positiv durch Hippness abgegrenzt hätte. Junge, gewöhnlich gekleidete Menschen, laut lachend und offenbar in Event-Stimmung fläzten sich ebenso an den Tischen.

Zwei Fragen schossen mir bei diesem Szenario in den Kopf: Wo gehen die Omas jetzt hin? Ins Altenheim-Café? Und werden die Hipster ihnen folgen? Ich kam zu dem optimistischen Schluß, dass sich unter den Hipstern schnell herumsprechen wird, dass das Café Wahlen inzwischen von zweifelhaften Gestalten aufgesucht wird und sie sich daraufhin zurück ziehen werden. In Folge werden eben jene zweifelhafte Gestalten auch nicht mehr kommen, denn der Hip-Faktor ist nicht mehr gegeben. Bleibt zu hoffen, dass die eleganten alten Damen bis dahin durchhalten und sich bald wieder an ihrer Sahnetorte erfreuen können.

 


Anmerkungen zu Logans Run

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1. Wann immer man sich einen Science-Fiction-Film anschaut, wird man mit der aktuellen Mode oder Anleihen aus den 60ern konfrontiert. Das ist durchaus hübsch, aber warum gelingt es ausgerechnet der schnelllebigen und einfallsreichen Mode nicht, in die Zukunft zu schauen? Auch die Möbel bleiben dem Zeitgeist verhaftet oder rekurrieren auf die Zeit, in der man noch an die Zukunft glaubte: die 60er. Vielleicht ist es schlicht einfacher und wirkungsvoller sich der Bilder zu bedienen, die zuverlässig die Assoziation ›Zukunft‹ hervorrufen, statt neue Bilder zu schaffen. Mit Blick auf die Technik scheint es einfacher zu sein, über das Aktuelle hinaus zu denken. Die Imagination des Verkehrssystems in Logans Run ist bis heute nicht realisiert worden.

2. Ich finde es sendet eine bedenkliche Botschaft aus, wenn der Hauptdarsteller, als er in der freien Welt angekommen ist, seinen Freund tötet, bloß weil dieser sich um ihn sorgt und ihn in die ›alte‹ Welt zurück holen möchte.

3. In der Figur von Ustinov wird nicht deutlich, was denn nun der Wert des Altwerdens ist (Logan kommt aus einer Welt, in der jeder an seinem 30. Geburtstag umgebracht wird). Beim Zusammentreffen mit diesem alten Mann werden einzig seine faszinierenden Falten bewundert. Und die Frau findet (1976) an der freien Welt einzig die Tatsache toll, dass man dann länger mit dem Partner zusammen sein kann.

 


Vorurteile

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Die Idee des ›gründlichen Deutschen‹ wird offenbar durch fehlende Sprachkompetenz stabilisiert: Im ICE zückte ein zunehmend genervter Ausländer jedes Mal sein Ticket, wenn der Schaffner in den Raum fragte ›Zugestiegene Fahrgäste?‹.

 


Dissertationen im Copy-Shop

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Was sagt dieses Bild über Dissertationen? Das man sie wie Kopien kaufen kann, oder dass neuerdings in einem abgelegenen Düsseldorfer Stadtteil tagtäglich Menschen mit zu bindenden Dissertationen herumlaufen? Und was wäre beunruhigender?

 


Fader Formalismus vs. ertanzte Emotionen

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Die Erwartungen waren zugegebenermaßen hoch. Das Nederlands Dans Theater (NDT) hat mich bereits viele Male begeistert, sei es im Theater, der live-Übertragung in ein Kino oder dem heimischen Klein-Bildschirm. Diese Kompanie schien jedem Format gewachsen. Und dann das. Der Auftritt des Ensembles in der Oper Köln. Bzw. der Ersatzspielstätte der Kölner Oper, dem Musical Dom am Dom, am Rhein. Event-Architektur vom Feinsten, von Kölner Bürgern auch gern ›Die Mülltüte‹ genannt. Knarzende Treppen, rote Teppiche, eine Lounge im 50er Jahre American Diner-Stil. Einige billige Corbusier-Imitate, insgesamt aber eher amüsant, ›mal was anderes‹ als Opernspielstätte. Etwas betrübt war ich, weil die in anderen Zuschauersälen oft glamourös wirkenden Besucher dank Beleuchtung eher an das Publikum in einem RTL-Sendesaal erinnerten.

Vielleicht war es diese Architektur, die mir die erste enttäuschende NDT-Erfahrung einbrachte. Doch ich bin skeptisch, ob die Umgebung die Wahrnehmung derart beeinflussen kann.

Vielmehr scheint der Choreograf in eine zugegeben verführerische Falle getappt zu sein. Das NDT ist ein herausragendes Ensemble, jedes einzelne Mitglied verfügt über ein unerhörtes Maß an Körperbeherrschung. Das verführt dazu, dieses Potential zu nutzen, doch birgt es auch die Gefahr, dass die Choreografie darüber zu einem bloßen Formalismus verkommt. Beeindruckend die Schnelligkeit, die Präzision, die Stops in unmöglichen Positionen. Doch das, was in einem Pina Bausch-Stück eine fünf-minütige Sequenz gewesen wäre, baut Marco Goecke zu einem Stück von zwanzig Minuten aus. Ja, man kann darin ›unsere Zeit‹ wieder erkennen, doch handelt es sich eher um eine Reproduktion, als eine Reflexion. Es wird geatmet, ja, da kann man viel hinein interpretieren, aber es scheint mir, als sei der Atem verschwendet, denn er hat keine Stimme. Entsprechend entscheide ich mich für einen lautlosen Applaus.

In der Pause stehen die Besucher mit Blick auf Rhein und Dom vor der ›Mülltüte‹ und sehen dabei aus, als habe man eine Busladung Kulturreisender an der Autobahnraststätte vergessen. Konzentriert in Programmheften blätternd versuchen einige verzweifelt Antworten zu finden. Eine junge Dame kommentiert das Stück mit den Worten ›Irgendwann habe ich aufgehört zu denken »Was will mir das sagen«‹. Zugegeben, es ist heute schwierig, Menschen vom Denken und Rationalisieren abzuhalten, doch ihre Aussage trifft den Kern des Problems: Das Stück transportiert keine Emotion. Das aber ist die Qualität von Tanz. Zu sagen, dass meine Schwiegermutter morgen mit Erdbeerkuchen vorbei kommt, ist mit Tanz kaum möglich, wie Jiri Kylian mal bemerkte. Aber eine Emotion, eine Facette des menschlichen Charakters darzustellen, das ist sehr wohl möglich und oft besser als mit Worten.

Auch das zweite Stück von Crystal Pite, Solo Echo, begeistert mich kaum. Es ist schön, die Bewegungen geschmeidig und beeindruckend, die Musik von Brahms wunderbar, doch leider fast wunderbarer als der Tanz. Der Tanz scheint bloß zu illustrieren, statt etwas hinzuzufügen. Doch die Kölner sind begeistert – vielleicht durch die in der kurzen Pause schnell heruntergespülten Gläser mit 0,2 Litern Wein, vielleicht wegen des atmosphärisch im Hintergrund rieselnden Schnees.

Erst das dritte Stück versöhnt mich mit dem Abend, Sol Leon und Paul Lightfoot schaffen es, die Tänzer und das Publikum in eine Traumwelt zu entrücken. Auf der Bühne fahren Treppen umher, die Tänzer werden zu surrealen Figuren voller Ausdruck, die Ängste, Hoffnungen, Begehrlichkeiten – eine ganze Palette voll Mensch-Sein tanzen.

 


Internat für Designer

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Designern geht es gut. Ich erlebe es täglich an der Universität. Unser Gebäude ist das einzige, das über gut gestaltete Armaturen, funktionale Türklinken etc. verfügt; der Rest der Universität zeigt größtenteils und oft eindrucksvoll die schlimmen Folgen schlechter Gestaltung.

Natürlich fühle ich mich durch diese Bevorzugung geschmeichelt – aber ist sie sinnvoll? Auf den ersten Blick ja, sind doch unsere Augen und Funktionalitäts-Sensoren sehr empfindlich und die damit verbundene Frustrationsgrenze niedrig. Trotzdem möchte ich fragen: Wäre es nicht förderlicher, Designer mit einer schlecht gestalteten Welt zu konfrontieren? Mit Wasserkochern, bei denen man sich die Finger am aufsteigenden Wasserdampf verbrennt, wenn man das Wasser ausschüttet. Mit nervig blinkende Lichtern an Monitoren und Telefonen. Mit Knöpfen, die keinen Hinweis darauf geben, ob das Drücken selbiger registriert wurde. Kurz: Mit all dem, was es trotz einer nicht geringen Zahl von ausgebildeten Designern immer noch gibt. Ich halte es für sinnvoll, im ersten Semester wenigstens einen Wochenendausflug in eine entsprechend präparierte Umgebung zu machen.

(Nahezu resigniert schnaubend muss ich allerdings auch zugeben, dass all diese nervigen und gefährlichen Produkte vermutlich nicht von ausgebildeten Designern stammen, sondern Ausdruck der immer noch unbefriedigenden Professionalisierung sind. Zu viel darf von Menschen ›gestaltet‹ werden, die nur auf die Produktion, nicht auf den Nutzer schauen. Aber das ist ein anderes Thema.)


Klug …

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… und ernüchternd schrieb Horst Rittel in Die Denkweise von Designern:

›Einschränkungen sind entschiedene, ausgewählte und selbst auferlegte und nicht aufgezwungene, abgeleitete oder logische Notwendigkeiten.‹

Leider seien viele Designer und Auftragegeber geneigt, dieser epistemischen Freiheit durch Imagination eines sogenannten Sachzwangs zu entfliehen. Weil die Mehrheit etwas wolle, müsse man es ihr auch geben. Dies sei aber keineswegs so, man könne auch Alternativen entwickeln, die wahlweise das vorhandene Bedürfnis auch befriedigen, oder es transformieren. Erhöhter Strombedarf rechtfertigt also nicht den Bau von Atomkraftwerken, um ein plumpes Beispiel zu nehmen.

Ich selbst erinnere mich daran, wie verblüfft ein Freund aus der Finanzwelt war, als ich auf die Schwerkraft fluchte. Er erkennt die Schwerkraft als feste Größe an, bei mir hingegen verdichten sich nach jedem zu Boden gefallenen Gegenstand meine Pläne für ein besseres Leben im Weltall. Heute erkenne ich darin stolz mein Designer-Denken.


Deutsche Weihnachten

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Dieses Jahr verschickten wir als Weihnachtsgruß das Foto eines übertrieben kitschig-weihnachtlich dekorierten Hauses. Sogleich wurde ich von diversen Amerikanern gefragt, ob dies eine typisch deutsche Dekoration sei. Als Innenstadt-Bewohnerin verneinte ich entschieden. Derartiges würde in Deutschland als schamlos abgelehnt. Heimgekehrt ins Ruhrgebiet wurde ich sogleich eines Besseren belehrt, denn neben minimalistisch ›modernen‹ Buddha-Arrangements

finden sich hier auch mit Weihnachtsdekoration überhäufte Häuser. Als ich dann auch noch das Geräusch eines Elektromotors vernahm, war ich endgültig verzückt – sollte es etwa sogar bewegliche Teile geben? Schlittenfahrende Weihnachtsmänner entlang der auf genormter Traufhöhe angebrachten Regenrinne? Nein. Es waren bloß die elektrisch und gewiss mit Zeitschaltuhr getimten Rollläden, die herunter fuhren. Um 17.18 Uhr. So wird aus der importierten amerikanischen Kultur ein wahrhaft deutscher Weihnachtszauber, wie schön.