Derrière-Garde statt Dernier-Cri

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Auf eine Party zu kommen, auf der jemand das gleiche Kleid trägt, wie man selbst, ist immer unangenehm. Besonders unangenehm ist es allerdings, wenn man nicht bei H&M, sondern bei einem kleinen, hippen Label eingekauft hat. Ähnlich muss es den Urhebern dieser beiden Plakate gehen. Die jungen Studenten, die von Marktbedürfnissen noch unbescholtenen, ungehemmt Kreativen, ausgerechnet die haben keine einzigartigen Ideen mehr? Und schlimmer noch: Das Schauspielhaus Wuppertal verwendete diese Technik schon in der vorletzten Spielzeit. Zu nah, um von Retro zu sprechen, nah genug, um als Spätmerker gebrandmarkt zu werden.

Bleibt immer noch die Möglichkeit, alles auf die Medien zu schieben. fffound etc. führen dazu, daß Studenten nur noch Bilder gucken, statt Ideen denken, bewusst oder unbewusst plagiieren statt quer zum common sense zu gestalten. Stimmt das? Und wenn ja, ist das schlimm? Kann sein, muss aber nicht, vgl. dazu den Artikel von Steven Heller in ff. Erinnerung. Dort schreibt er klug über die Balance zwischen dem Muß, kulturell lesbare Bilder zu verwenden und dabei doch immer ein bißchen am Erwartbaren vorbei zu gestalten.


Helvetica vs. Arial / Designer vs. Freizeithipster

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Eine süchtig-machende App: Unter Zeitdruck muß man entscheiden, ob es sich bei der gezeigten Schrift um Arial oder Helvetica handelt. Hinterhältig wird die Helvetica manchmal so schlecht spationiert, daß man sie kaum erkennt, was einen Moment der Scham nach sich zieht, denn wer sich wie ich lautstark gegen die Arial wehrt, sollte sie doch wenigstens treffsicher erkennen können, oder? Verstärkt wird dieses Gefühl durch die Tatsache, daß man – nachdem zunächst Worte, Namen und Phrasen aus dem Designerkontext als Schriftbeispiel gezeigt werden – plötzlich gesagt bekommt ›What a boring life you must have to get such an App‹. Pöh. Trotzdem: unbedingt spielen! Gibt’s hier.

Weniger leicht wird es, diesen Unterscheidungs-Modus – wie oben vorgeschlagen – auf Menschen zu übertragen: Bis vor wenigen Jahren war es leicht, meine Peergroup zu erkennen. Auf Partys wußte man gleich, mit wem man auf jeden Fall interessante Gespräche führen kann etc. Heute denke ich oft: Oh, der ist sicher auch Designer. Und es stellt sich heraus, daß es ein Psychologe oder, viel schlimmer: ein Unternehmensberater im Freizeit-Look ist (und versuch’ dann mal, aus dem Gespräch wieder rauszukommen – das sind schrecklich monologisch veranlagte Menschen!). Offenbar versagt also meine Zeichen-Erkennung, weswegen ich mir sogleich das bei Amüsement-Bedarf sehr empfehlenswerte Buch ›Hip‹ von Josh Aiello zu Gemüte geführt habe. Darin werden die unterschiedlichen Typen von Hipstern als Gattung (mit Anlehnungen an den Biologie-Sprachstil) charakterisiert, u.a. erwähnter Feierabend-Hipster.

 


Typography-Apps

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Und wenn ich einmal dabei bin: Auch diese Apps sind die Erfüllung meines Traums – bloß daß ich schon so alt bin, daß ich diese Spiele analog und mit Pappe gespielt habe:

Typo-Memory von leicht (a-Paare finden) bis anspruchsvoll (kleines a dem Gestalter zuordnen) – nennt sich Typography* und gibt es hier.

Auch schön ist das Font Game, bei dem man Schriften auf Multiple-Choice-Basis erkennen muß – gibt es hier.

Anspruchsvoll auch die Browser-basierte App ›Shape-Type‹, die auffordert, den verbeulten Buchstaben in die richtige Form zu ziehen – gibt es hier.

 

Und vom gleichen ›Hersteller‹ KernType, erhältlich hier.

 

 


Katz&Goldt

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Zwar bin ich als Mensch mit mehr als einer Emotion pro Tag kein Freund von T-Shirt-Aufschriften, aber die Entwürfe von Katz&Goldt  führten doch dazu, daß ich mir in einigen Situationen wünschte, das passende T-Shirt zu tragen. Etwa ›Mach Du das mal, ich habe mir gerade die Hände eingecremt‹ (Der Schmier auf der Tastatur ist doch wirklich eklig). Oder: ›Lass doch mal was undokumentiert wegtreiben‹. Seltener auch ›Bitte nicht schubsen, ich habe Joghurt im Rucksack‹ (auch wenn es eher einzeln gerollte Feinpapiere sind, das Gefühl ist das gleiche.) Zu oft wäre ›Für eine konkrete Abneigung kenne ich sie zu schlecht‹ passend, und sehr oft fluche ich ›Die Musen sollen aufhören mich zu küssen, sie sollen den Bürokram machen‹.

www.katzundgoldt.de

 


Unhappy Hipsters

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Kann ich es als Distinktion à la “Das kannte ich doch schon, da sind wir noch barfuß durchs Netz gelaufen”, oder muß ich zugeben, daß ich es voll verpennt habe? Wahnsinn, wie toll sich unhappyhipsters.com entwickelt hat. Niemand entlarvt Fotografien, Moderne und Harmonie so schön – Anthropomorphismen funktionieren besonders gut. Vielen Dank an Frau M. für die Erinnerung, ich werde meinem Gedächtnis verordnen, seine Prioritäten zu überdenken.

Hier einige Beispiele, aber besser, man schaut sich alle an: unhappyhipsters.com


Formgebung vs. Entwurf vs. Design

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Schon wieder sind uns die Holländer voraus. Gert Dumbar differenziert die Begriffe ›vormgeving‹ und ›ontwerp‹, die im amerikanischen unter ›design‹ zusammengefasst werden: Ersteres ›is more to make things look nice. So for instance, packaging for a perfume in order to make things fashionable, obsolete and therefore bad for society because we don’t really need it.‹ Wohingegen ›ontwerp‹ meint: ›You as a person try to invent a new thing—which is intelligent, which is clever, and which will have a long-life. And that’s called stylistic durability. It means you can use it for a long time.‹ Zwar behauptet Dumbar, auch in Deutschland gebe es diese Unterscheidung, doch übersieht er, daß wir die Vielfalt unserer Sprache in diesem Punkt haben verkümmern lassen. Die Begriffe ›Formgebung‹ und ›Entwurf‹ sind in Deutschland heute unter ›Design‹ subsummiert. Da hilft selbst der altkluge Kommentar ›Aber Formgebung wurde in den 50ern und 60ern genau für die Tätigkeit verwendet, die Dumbar »ontwerp« nennt‹, nicht. Wir haben uns etwas entgehen lassen, als wir glaubten, das Schlagwort ›Design‹ würde der Profession mehr Anerkennung bringen.

via swissmiss

Bitte beachten Sie: Die in Deutschland übliche Zitierordnung erst doppelte, dann einfache Anführungen‹ wurde bewusst umgekehrt und der britischen Zitierweise angepasst: Erst einfach, dann doppelt. Das ist logischer, spart Platz und sieht besser aus. Wenn ich nur einmal im Leben einen Trend setzen dürfte, dann soll es dieser sein.


Total Design goes Total Music

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Music For One Apartment And Six Drummers from Mister Magnus on Vimeo.

Jetzt, da das Design scheinbar jeden Winkel unseres Lebens in Besitz genommen hat, fordert  eine andere Berufsgruppe die Ausweitung ihres Tätigkeitsbereichs: Die Musiker. Und wie beim Design gilt: Wenn es gut gemacht ist, ist es ein Erlebnis – auf Dauer würde aber wohl doch der Wunsch nach Ruhe aufkommen.


App für Designhistoriker

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Erkenne den Stuhl, benenne ihn, seinen Designer und sein Produktionsjahr. Ich komme einfach nicht über die 89% hinaus …

Hier für weniger als 1€


Do you hear a click?

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Je öfter man es anschaut, desto besser wird es. Schon das Anfangsbild ist herrlich und die Mischung aus Wiedererkennen des elterlichen und großelterlichen Verhaltens vermengt sich wunderbar mit dem leichten Schmerz der Selbsterkenntnis. Die Dame feiert übrigens ihren 80 Geburtstag!

 


The History of English Language in 10 Minutes

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Bitte auch für die Deutsche Sprache produzieren!