App für Webdesigner

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Mit drei Reglern muss man den für wenige Sekunden gezeigten RGB-Ton nachbauen – schwieriger, als man denkt, zumindest für Print-Gestalter.

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Gender und ?

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Wir brauchen dringen ein Pendant zum Wort ›Gender‹. Seit Jahren dürfen Männer sich wie Frauen und umgekehrt und auch alles dazwischen verhalten, und können sich, wann immer es ihnen verwehrt wird, auf die ›Gender‹-Debatte berufen. Sex&Gender sind unabhängig voneinander geworden. Für das gleiche Phänomen auf dem Gebiet des Alters fehlt der entsprechende Begriff. Denn – ebenfalls seit Jahren – verhalten und kleiden Mittvierziger sich wie Endzwanziger und Mittzwanziger sind so bieder wie Enddreißiger. Studenten wohnen in 3-Zimmer-Wohnungen, fahren Golf und buchen Pauschalurlaube auf Mallorca, für die sie lieber einen zusätzlichen Job annehmen, als das zu genießen, was die Generation ab Anfang 40 sentimental als ›Studentenleben‹ erinnert. Gleichzeitig finden letztere es völlig legitim, in der Öffentlichkeit zu knutschen und Frisuren zu tragen, die sie bei ihren Kindern abgeschaut haben – von denen sie sich auch gleich ein paar hippe Kleidungsstücke ausgeborgt haben. Also: Her mit der passenden Bezeichnung für dieses Verhalten, damit wenigstens ein anständiger Diskurs darüber entstehen kann!

 


Designklassiker: Die Büroklammer

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Neulich im Chaos: Unmengen von Papier, manches zusammengehörig, aber vielleicht noch nicht endgültig. Ich: verzweifelt.

Da fand ich sie: die Büroklammer. Ein Stück dreimal gebogenes Metall. Ein Designobjekt? Definitiv. Denn schon Burckhardt erkannte: Gutes Design ist unsichtbar. Und auch wenn er es anders meinte, mal ehrlich, wer schenkt ihr schon viel Beachtung, der Büroklammer. Und warum nicht? Meist fällt Design erst dann auf, wenn es nicht funktioniert, wenn lediglich der Ästhetik Tribut gezollt wurde. Dies ist hier nicht der Fall. Die Büroklammer ist Repräsentant für gutes Design: Funktional, günstig in der Herstellung, wiederstandsfähig.
Und sie erleichtert das Leben. Bleibt nur eine Frage: Warum kennt jeder Phillippe Starck, aber niemand den Büroklammerdesigner? Jeder Designer kann von ihm, dem Norweger Johan Vaaler, lernen. Die Rückkehr zum Einfachen ist unbedingt notwendig in unserer immer komplizierter werdenden Welt. Etwas dazu bringen gut auszusehen, das schafft beinahe jeder, die wirkliche Aufgabe des Designs liegt aber doch darin, Produkte verbraucherfreundlich zu gestalten und so ein wenig Ordnung, Orientierung und Verständnis zu schaffen. Also, liebe Designer: weg vom schönen Schein, hin zu gutem Design.

 


Mensch + Technik

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Weiterhin, immer noch sind Mobiltelefone Störfaktoren im öffentlichen Raum. Nicht in jedem, aber in Cafés, die traditionell mit persönlichen Gesprächen und Zeitungslesen verbunden sind. Unangenehm fällt dabei auf, daß es nicht die jungen Menschen sind, die durch den Einsatz neuer Techniken meine tägliche halbe Stunde der Nostalgie, bildungsbürgerlicher Bohemien-Besinnlichkeit und Selbstvergessenheit stören. Nein, es sind die älteren Generationen. Sie erweisen sich als ungeschickt im Umgang mit alltäglich gewordenen technischen Begleitern, die sie wie einen Fremdkörper behandeln und dadurch Aufsehen erregen. Versteckt, weil meist nicht im Einsatz, müssen sie unter viel zu lautem Klingeln (sonst überhört man es ja) aus unsortierten Taschen gekramt werden, um dann ungläubig in die Höhe gehalten zu werden, bis der Anrufername identifiziert, die Annahme-Taste gefunden und das Ding, durch Haare-Werfen eingeleitet, betont lässig-modern, aber mit spitzen Fingern, ans Ohr geworfen wird.

Peinlich berührt wende ich mich ab, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß nun im Telegramm-Stil Standortinformationen ausgetauscht werden. – Oh, wohlige Routine, oh, geliebte Selbstverständlichkeit, wo bleibt ihr bloß?

 


Sprechende Räume demonstrieren Haltung

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Allen Homogenisierungsversuchen der Moderne zum Trotz bleibt die Stadt ein diversifizierter Raum. Es beginnt mit der Ausgestaltung der Fenster zur Straße sowie der Vorgärten und setzt sich in den ebenfalls halböffentlichen Raum der Cafés fort. Der Abgleich zwischen Café-Gestaltung und Gästen funktioniert meist ebenso reibungslos wie der zwischen Vorgarten und Hausbewohner. Im ›Katzengold‹ läuft Manu Chao, die Kellner (zwischen 23 und 31) tragen modernisierte Vollbärte und H&M, man sitzt auf alten, aber restaurierten Stühlen vor glatten Holztischplatten und wird geduzt. Es gibt Kuchen, den auch meine Oma anerkennend nickend verspeisen würde. Die Gäste sind mindestens 38 Jahre alt, einige haben in den 70ern Müsli gegessen und Schlaghosen getragen.

Die Ausdeutung dieser Oberfläche fällt leicht: Es wurde renoviert, die Gäste blieben. Zwar renovierten sie sich ebenfalls in Form von beruflichem Aufstieg und modischer Glätte, sie wollen sich jedoch nicht gänzlich von ihrer Vergangenheit loslösen – man will schließlich nicht so sein, wie die Spießer. Vereinzelt treten junge Leute ein, die ohne ältere Begleitung gehen jedoch in die ›Viertelbar‹, wo zu blaßgrünen Wänden elektronische Musik läuft. Im raueren ›Café du Congo‹ findet man diejenigen, die sich nicht renoviert haben. Hier gibt es genüßlich ausgestoßenen Rauch und guten Whiskey, die Nichtraucher werden demonstrativ und verächtlich in eine Glasecke gesperrt. Im … u.s.w.f.

 


Form vs. Haltung – Oder: Kleider machen Leute?

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Schon Paul Renner wusste: »Körperpflege und Training, Zucht und Maß bringen den Leib ›in Form‹. Wenn er die Façon verliert, greift der Schneider hilfreich ein. Man kann derweil im Dampfbad sehen, wohin die Menschenwürde ohne seine Hilfe geriete.« Moderne Typographie, 1926

Ja, es gibt diese Menschen, die durch ihre Kleidung eine Form bekommen. Sie tragen ›stabilisierendes‹ und formendes, was stets vermuten läßt, daß diese Menschen auch an sich selbst stark formgebend arbeiten. Jacki Kennedy war eine solche Person, wie nicht zuletzt in der Inszenierung im Düsseldorfer Schauspielhaus herausgestellt wurde. Die Kleidung gibt diesen Menschen Haltung und macht eine Aussage, schließlich ist jedes Detail bewusst gewählt.

Doch auf der anderen Seite gibt es diejenigen Menschen, die wie zufällig in ihrer Kleidung stecken. Ihre Person strahlt derart, daß alles äußere bedeutungslos wird. Sharon Eyal ist so eine Frau und Pina Bausch war ein solcher Mensch. So war erstaunt zu hören, daß letztere konsequent die Kleidung eines bestimmten Designers trägt – für mich hätte es auch eine beulige schwarze Sporthose und das ausgetrage Sacco eines Freundes sein können, denn sie war es, die Haltung hatte, die eine Aussage machte in jeder einzelnen Bewegung, mit jedem Blick.

Amüsant wird es, wenn Menschen ohne Haltung und Persönlichkeit sich betont nachlässig kleiden – mit ungebügeltem Hemd wie viele Designstudenten und angehenden Design- und Kunsthistoriker beispielsweise. Diese Kombination läßt einen grellgelben Pfeil über der entsprechenden Person aufleuchten über dem steht: ›Hier wäre jemand gern größer als es zu sein vermag.‹ Bei einzelnen bin ich hoffnungsvoll, daß der Pfeil mit den Jahren verblassen wird, die anderen lassen mich immerhin schmunzeln – und gelegentlich darüber nachdenken, wie erstaunlich gut das zu den Personen passt, die sich im Netz eine aufgeblasene Persönlichkeit zulegen …

›Es gibt eine innere Haltung, die jede äussere Unbekümmertheit erlaubt, und eine innere Leere, welche unaufhörlich auf äussere Haltung bedacht sein muss.‹ Otto Baumberger, 1923

 


Erbauung in 4,17 Minuten

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4,17 Minuten, das ist die Zeit, die den Machern der kommenden Da Vinci-Austellung in der Londoner National Gallery ab November 2011 für die Betrachtung eines Bildes angemessen erscheint. So lange darf der Besucher vor jedem Gemälde verweilen, ehe es heißt ›Weitergehen‹, denn die nächsten Kunsthungrigen drängen – vermutlich nach langer Wartezeit am Eingang – nach. Und nur selten darf man zu einem Bild zurückkehren, denn die Türen zwischen den Räumen lassen sich nur in eine Richtung – die vorgegebene Laufrichtung – öffnen. Nicht nur, daß die Betrachtung auf eine kurze Zeitspanne begrenzt wird, nein, auch die Bewegungsfreiheit des Besuchers wird eingeschränkt. Zwar bedeutet dies für die Kuratoren einen enormen Machtgewinn, denn nun bestimmen sie, in welcher Reihenfolge geschaut und, falls noch Zeit bleibt, gelesen wird. Vgl. dazu Julia Voss in der FAZ

Die Ausstellung wird so zu einem Film, die Kuratoren zum Regisseur, der Raum linear. Während in der Literatur zur Gestaltung von Ausstellungen stets das Moment der ›Mitgestaltung‹ des Besuchers betont wird und Möglichkeiten gesucht werden, dies zu unterstützen (denn der Betrachter soll partizipieren, er soll ein Teil der Ausstellung sein, sie mitgestalten, zu seinem ›Eigenen‹ machen und so intensiver erleben), klammert die Praxis dieses Moment bereits wieder aus. Die Ausstellung wird ihm nun durch den Kurator erschlossen – immerhin hat der sich sicherlich viele Gedanken gemacht und ist schließlich auch Fachmann.

Doch auch wenn ich ansonsten ein Verfechter der ›Geschmackserziehung‹ bin, bedaure ich diese Überwindung der postmodernen Theorie der ›Betrachterpartizipation‹, die mir im Grafik-Design so falsch erscheint, denn auf einem Plakat geht es in erster Linie um Informationsvermittlung (diese kann durchaus auf der Bildebene um Interpretationsspielräume ergänzt werden und so das Plakat über einen bloßen ›Anschlag‹ erheben, das hat aber nichts mit den Theorien der Postmoderne zu tun!). In Ausstellungen hingegen schätzte ich es sehr, sie mir selbst zu erschließen, zu entscheiden welchen Weg ich wähle, welche Schwerpunkte ich setze und mir so meine eigene Geschichte zu erlaufen. Jeder Besucher erlebte seine eigene Ausstellung, ohne daß das Moment der ›Geschmackserziehung‹ verloren gegangen wäre. Nicht nur, daß die neuartigen ›linearen‹ Ausstellungen den Vorteil der Simultanität teils verlieren, nein, sie spiegeln in besorgniserregender Weise ähnliche gesellschaftliche Entwicklungen wieder, etwa die Umstrukturierung der Universitäten. Auch dort werden Grafik-Designer vielerorts zu einer schulischen, angeblich umfassenden Ausbildung genötigt. Nicht im Sinne eines Studium Generale, sondern als Hetzlauf durch Illustration, Fotografie, Film, Interactive, Schriftgestaltung etc., völlig unabhängig von Talent und Neigungen. Das frustriert nicht nur die Fachprofessoren, die es mit Scharen desinteressierter und unbegabter Studenten zu tun haben, nein es kostet auch die heute so kostbare Zeit! Statt einer gut ausgebildeten Schriftgestalterin ein Diplom verleihen zu können, werden Scharen von mittelmäßigen – ja was eigentlich? aus den Universitäten und Fachhochschulen entlassen. Wozu taugen diese ›Arbeiter‹? Statt den gewünschten ›Agenturchef‹, also denjenigen, der denken und beurteilen kann, auszubilden, gibt es haufenweise mit dem Erlernen von Programmen und Techniken überforderte Studenten, die gar keine Zeit mehr haben, Denken zu lernen. – Und jetzt haben sie nicht einmal in ihrer knappen Freizeit im Museum die Möglichkeit, dies nachzuholen.

 


Sicherheit – Ein Besuch in der Vorstadt

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Einparkhilfen und Rauchmelder, sogar Herd und elektrische Zahnbürste verkünden piepsend den Sieg der Sicherheit, während im Briefkasten der ›Vermögensberater‹ und die Zeitschrift der Krankenkasse warten. Was ist bloß aus den kleinen Triumphen des Alltags geworden? Die Eier gerade noch rechtzeitig vom Herd genommen zu haben, so daß sie innen noch weich sind, das Weiße aber fest … Auch der Ärger über die beim perfekten Einpark-Schwenk übersehene Papiertonne fällt weg. Der Alltag wird langweilig, mit Sicherheit. Statt dessen regen sich die Dinge für uns auf – mein Telefon blinkt panisch, weil ihm die Spannung ausgeht, ich hole lässig das Ladekabel aus dem bestickten Kabeltäschchen, während mein Kalender mich daran erinnert, die Verabredung zum Bungee-Jumping nicht zu vergessen.

 


Alte Dinge

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Meine Großeltern sind sehr ordentliche Menschen. Und sie gehen ausgesprochen sorgsam mit ihren ›Dingen‹ um – sei es der Eßtisch aus empfindsamem Holz oder das leere Aspirin-Röhrchen, das als potentieller Behälter unter ›D‹ wie Dose im Keller einsortiert wird. (Nein, Plastikbezüge über Sofas gibt es nicht, es ist eine wahre Liebe zum Gebrauchsgegenstand. Respekt, nicht Zweckverminderung.)

Von eben diesen Großeltern habe ich ein Fahrrad geerbt. Es ist älter als ich und befand sich bei Erhalt selbstredend in einem hervorragenden Zustand, schließlich hatte es nie im Regen gestanden und wurde regelmäßig gepflegt.

Ich liebe dieses Fahrrad zutiefst, es repräsentiert die mir kostbaren Werte meiner Großeltern, erinnert mich an ihre umsichtigen und vorausschauenden Bewegungen, ihre Konzentration und Präzision, ihre Haltung. Und dennoch: Kaum hat dieses Rad zwei Jahre bei mir verbracht (einen lächerlichen Teil seiner Lebenszeit), hat es Kratzer, sogar Beulen. Das Licht wurde schon drei Mal repariert, das Kugellager ausgetauscht, die Schaltung erneuert – warum? Kann ich mich damit herrausreden, daß ich es öfter benutze? Ich muß wohl eher zugeben, daß ich es manchmal eine Nacht im Regen stehen lasse – da hilft auch die regelmäßige Pflege irgendwann nicht mehr. Ich muß mir wohl eingestehen, daß ich nicht die Haltung meiner Großeltern besitze. Schnell gestresst zerre ich ungeduldig am Schloß und produziere Schrammen, schiebe das Rad fahrig um eine Kurve – noch mehr Schrammen. Nein, meine Sorgfalt beschränkt sich auf wenige Bereiche meines Lebens. Freunde berichten ebenfalls über ein schlechtes Gewissen in Anbetracht des Zustandes großelterlicher Stühle, Koffer, Radios … So bekommt wohl jede Generation, was sie verdient – für uns gibt es Dinge, die schnell kaputt gehen:  Kommentar von Martin Tschechne im Deutschlandradio Kultur

 


Designklassiker: Die Frankfurter Küche

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Sie gilt als Ikone des Design, Inbegriff des Fortschritts, der Moderne, sogar der Emanzipation: die Frankfurter Küche. Doch leider wurde hier der so typische Fehler der Avantgarde begangen: Großen Theorien folgen zweifelhafte Taten. So sagte die Gestalterin dieser Küche, Margarete Schütte-Lihotzky, explizit, man dürfe, wenn man eine kleine Wohnung plane, nicht den Grundriss der großen bürgerlichen Häuser einfach verkleinern. Mehr noch, in den 1920er Jahren wurde ausgiebig über eine ›Arbeiterkultur‹ gesprochen, von einem neuen, von den Werten des Bürgertums unabhängigen Selbstbewusstsein. Was die Frankfurter Küche dabei übersieht: Es gab eine den Arbeitern eigene Wohnkultur und zu dieser gehörte auch eine Wohnküche. Ja, es gab auch das meist ungenutzte und daher ineffiziente Wohnzimmer, aber statt eben dieses zu entsorgen, verkleinerte man die Küche, isolierte die nun maschinenhaft-optimiert arbeitende Hausfrau und pries dann auch noch die große Tür an, durch die sie weiterhin die Kinder beobachten kann. Zwar gibt es Berichte von Bewohnern, denen es trotz der Enge gelang, die ganze Familie in der Küche unterzubringen und so gemeinsam Zeit zu verbringen – und sogar Arbeitsteilung zu ermöglichen (schön, wenn die Frau in der kleinen Küche Zeit spart, besser ist aber doch, wenn Mann und Kinder helfen können), doch ändert dies nichts an der Tatsache, daß hier am Leben vorbei gedacht wurde. Man wollte einen neuen Menschen schaffen, statt nur auf seine Bedürfnisse einzugehen. Trotz diesem lobenswerten Drang zur Erziehung muss man sagen: Glücklicherweise ist das Projekt ›Neuer Mensch‹, so wie es hier verstanden wurde, gescheitert – obwohl … vgl. Artikel ›Corps de Walk‹