Dilettantismus

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Beim Kauf einer Eintrittskarte zur Dauerausstellung im Bauhaus-Archiv wird man darauf hingewiesen, daß man keine Fotos machen darf, da die Objekte unter Copyright stehen.* Als ich die Ausstellung betrat, erblickte ich jedoch nicht als erstes Stahlrohr und Krag-Balkone, sondern das oben stehende Ergebnis beherzter Initiative von Seiten des Museums. Die Akzente auf Moholy-Nagys Namen waren offenbar verloren gegangen und wurden durch zwei Schnipsel annähernd passend geschnittenes Tape ersetzt.

Ich war hingerissen, ausgerechnet im Bauhaus-Archiv auf solch ein Zeugnis gut gemeinten Dilettantismus zu stoßen und zückte selbstverständlich gleich meine Kamera – zum Glück war ich schnell, denn zwei Wärter kamen heran geeilt und teilten mir mit, man dürfe keine Fotos machen. Meine Reaktion – die Frage ob das Bauhaus-Archiv denn auch das Copyright auf Dilettantismus habe – wurde nicht gutiert.

*Das Ausmaß an empörender Absurdität dieser Aussage ist Stoff für längst überfällige Diskussionen!

 


Ratlosigkeit

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Dieser Container steht vor einer Universität –was sagt der Warnhinweis wohl über die finanzielle (oder mentale) Situation der Studenten aus?


Luxus-Shuttle-Busse zu Kultur-Einrichtungen?

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Ja, ich bin wertkonservativ. Ich mag klassische Typografie, klassische Musik und ich würde es begrüßen, wenn meine Kinder fließend Latein sprechen könnten. Und dennoch habe ich dem Herrn, der mir in einer Kneipe lapidar vorschlug, mit wenigen Ausnahmen alle Opernhäuser und Theater zu schließen und statt dessen (Luxus)-Shuttle-Busse zu den ausgewählten verbleibenden Einrichtungen kostenfrei zur Verfügung zu stellen, nicht gleich von meiner Seite verwiesen.

Liegt es daran, daß sich die Aufführungen in Düsseldorf, Bochum, Essen, Köln und Wuppertal alle bis zu einem gewissen Grad gleichen? Oder daran, daß ich zunehmend weniger Lust habe, mir extatisches Geschreie von Schauspielern anzuhören, die zwar den Eindruck von enormem körperlichen Einsatz vermitteln, den Inhalt aber dennoch nicht bis in mein Herz oder wenigstens meinen Kopf transportieren können? Oder ist es mal wieder so weit? Brauchen wir eine Debatte über die Einheit von Kunst und Leben á la Juigendstil und Bauhaus?

Oder brauchen wir nicht gerade die Trennung beider Sphären? Denn je aktuell-sozialkritischer das Theater wird, desto mehr entfernt es sich von dem, was vage und leicht mystifizierend als ›Wahrheit in der Kunst‹ bezeichnet werden kann. Kunst ist nicht Leben. Kunst ist Kunst – der Abstand zum Alltag ist ihre Qualität, gerade daraus gewinnt sie ihren Bezug zum Leben.

Und insbesondere wenn unser Leben immer stärker vom Zweckrationalismus (und damit verwoben dem Kapitalismus) durchdrungen und dadurch zunehmend eindimensional wird, bedarf es der Kunst. Sie kann Reflexion ermöglichen, den Blick von Außen auf uns und unser Denken, Fühlen, Handeln.

Ein Luxus-Shuttle-Bus sollte es also schon mal nicht sein. Ein bißchen weniger Regie-Theater aber sehr gern. (Ja, ich äußere mich gelegentlich zu Dingen, von denen ich aus akademischer Sicht keine Ahnung habe, mich aber als Teil der Zielgruppe durchaus als meinungsberechtigt betrachte.)

 


The singularity is near

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Der Aufschrei ›The Singularity is near‹ tönt regelmäßig durch die Medien, doch erst als ich ein ›modernes‹ Auto fahren sollte, begann ich, auch daran zu glauben. Nicht nur das sich der Kofferraum nicht mehr kräftig zuschmeißen läßt (das Auto besteht darauf, die Klappe langsam herunter zu fahren), nein das Auto glaubt auch noch zu wissen, wer ich bin. Steige ich mit Schlüssel 1 ein (aufschließen muss man natürlich nicht mehr), fährt es den Fahrersitz so weit zurück, daß ich kaum mehr die Pedale berühren kann, steige ich mit Schlüssel zwei ein, zerquetscht das Auto mich fast hinter dem Lenkrad. Auch das Einparken darf ich nicht mehr selbst übernehmen, es sagt mir, welche Parklücke groß genug ist (es ist viel zu vorsichtig) und nimmt mir das Lenken ab.

So wird es schwierig zu wissen, was man überhaupt noch tun muss. Ich überlegte ernsthaft, ob ich noch blinken müsse, oder ob das das Auto auch wisse, wo es langgeht – schließlich kommuniziert es mit dem Navigationssystem. Worauf ich hinaus will? Vielleicht ist es noch nicht die Singularität, die nah ist, aber für jeden, der kein Experte ist, wird es schwierig, sich gegen Gegenstände durchzusetzen (warum heißen sie wohl Gegen-stände? Das Phänomen scheint nicht neu zu sein). Dem Auto beizubringen, was es darf und was nicht, ist fast so schwierig, wie einem Kind zu erklären, daß Bonbons nicht immer gut sind. Besonders dann, wenn es so niedlich guckt, denn auch das kann es auch, das Auto. Schaltet man das Licht ein, schaut es nach links und rechts, oben und unten … Und gelegentlich prustet es wie ein junger Walfisch, um seine Scheinwerfer zu reinigen. Zuckersüß das kleine Monster.