Authentizitätswahn vs. Düsseldorfer Haltung

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Martin Schläpfer wurde mehrfach dafür kritisiert, die Mitglieder des Ballett-Ensembles der Deutschen Oper am Rhein geordnet zum Applaus antreten zu lassen. In Düsseldorf nimmt man sich nicht bei den Händen und blickt schweißbedeckt, glücklich-ermattet in Publikum, läßt sich erschöpft in die Verbeugung fallen, … Nein, Schläpfer arrangiert seine Tänzer in hübschen Diagonalen auf der Bühne, die Inszenierung wird bis zum Schluß nicht aufgebrochen.

Martin Schläpfer meint, die Kritik entspringe der Enttäuschung darüber, nicht ›den Menschen‹ hinter dem Tänzer kennen lernen zu können. Ist das so? Ich stelle mich auf die Seite der Kritiker, denn mir geht es ähnlich; ich sehne mich nach der Auflösung. Nicht, weil ich an der ›wahren Persönlichkeit‹ der Tänzer interessiert wäre, sondern weil es den Abend auflöst, mich entlässt. Über den Aufführung bin ich mit den Tänzern verschmolzen, mit der Geschichte die sie erzählen oder wenn sie keine erzählen mit der Stimmung, die sie schaffen. Sie haben mich in ihre Gefühlswelt geholt, dank ihnen habe ich bestenfalls einen kathartischen Abend. Aber am Ende will ich, muss ich, zurück in meine Welt. Und das ist nun einmal die, in der die Tänzer auch Menschen sind; in der sie trainieren, erschöpft sind, und ihre Körper nicht ständig die perfekte Linie bilden. Der Applaus ist ein Übergang. Ich beklatsche das Schauspiel, aber dafür muss es auch vorbei sein, sonst ist es nur ein Szenenapplaus – begeistert in Erwartung von mehr.


Architektenmöbel – Von Aalto bis Zumthor

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Der Titel macht Hoffnung – von A bis Z, alles umfassend, endlich ein Blick auf Design, wie er in Museen zu selten gewagt wird. Zumal das Kölner Museum für angewandte Kunst mit der Präsentation der Sammlung Winkler bereits gezeigt hat, daß es Designpräsentationen abseits der Kunstgewerbe-Vitrinenschau geben kann.

Doch die aktuelle Sonderausstellung bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Schön anzusehen ist sie, wie könnte es auch anders sein – wohlgeformte Möbel auf Podeste stellen, noch dazu vor der tollen Riesen-Regal-Wand des MAKK, was soll da schief gehen? Aber schon für Texttafeln hat es leider nicht mehr gereicht. Zwar gibt es Banner mit den Namen der Architekten darauf, aber über ein ›Voilá‹ geht die Ausstellung nicht hinaus. Auch die Rede der Kuratorin bringt keinerlei tiefgreifende Erkenntnis. Das Ergebnis ihrer Forschung scheint zu sein, daß Architekten gerne kubische Sessel á la LC2 gestalten. Ganze 7 Stück hat sie gefunden. Vielleicht ist diese Herangehensweise dadurch zu entschuldigen, daß die Kuratorin Mittelalter-Historikerin ist – da ist man wohl froh um alles was man findet und jeder Fund ist tatsächlich eine Sensation. Aber gilt das auch für Design? Oder waren meine Erwartungen schlicht zu hoch? Braucht Design gar nicht über eine Verkaufsausstellung hinaus zu gehen? Das Kölner Möbelgeschäft Merkanto bietet im Rahmen der Passagen eine ähnlich konzipierte Ausstellung an, wirbt aber damit, daß ›Probesitzen ausdrücklich erwünscht‹ ist. Ein klarer Vorteil, denn das Bedürfnis, Design haptisch zu erleben ist so berechtigt wie unausrottbar; zuverlässig wird René Spitz bei jeder seiner Ausstellungsankündigungen im WDR gefragt ›Und darf man sich auch hinsetzen?‹

Was habe ich also erwartet? Ganz sicher die Frage, ob Architekten anders an die Gestaltung von Möbeln herangehen als ›reine Designer‹. Und ob es sich bemerkbar macht, daß Design und Architektur inzwischen getrennte Studiengänge sind. Gerne hätte ich auch erfahren, ob Gestalter in Architektur und Design ähnliche Formprinzipien anwenden. Zeichnungen wären schön gewesen (und leicht zu bekommen!). Auch Fotos von den Gebäuden derjenigen Architekten, deren Möbel man in Köln bewundern darf, wären angemessen gewesen. – Aber die gab es doch! Darf nun gerufen werden. Doch da kann ich nur fragen: Wirklich? Reicht es aus, rund 20 Google-Funde auf eine hutzelige Stellwand zu pinnen, völlig abseits der entsprechenden Möbel?

Warum ich so erbost bin? Weil Design so viel mehr ist als ein Statusobjekt. Meinethalben können bestimmte Objekte gerne mythisiert werden, ich bestehe nicht darauf, mich hinsetzen zu dürfen. Aber kann nicht auch ein tieferes Verständnis zur Mythisierung beitragen? Wird Design nicht umso beeindruckender, je deutlicher seine Komplexität wird? Wenn man mehr über seinen teuren Stuhl weiß, als daß er in mehreren Museen steht, also offenbar von Fachleuten wertgeschätzt wird? Keinesfalls möchte ich Designliebhabern ihre subjektive Wertschätzung absprechen, aber sie ist doch nur der Anfang!

Ich klammere ich mich an die Hoffnung, im Katalog auf ein anderes Designverständnis zu stoßen – auch wenn seine Hülle in Kroko-Handtaschen-Stiefelchen-Optik auch hier Fragen aufwirft; etwa, warum man den Eindruck erwecken möchte, es handele sich um Modeausstellung. Vielleicht sind die Autoren ja klüger als die Gestalter.

 


Unhappy Hipsters

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Kann ich es als Distinktion à la “Das kannte ich doch schon, da sind wir noch barfuß durchs Netz gelaufen”, oder muß ich zugeben, daß ich es voll verpennt habe? Wahnsinn, wie toll sich unhappyhipsters.com entwickelt hat. Niemand entlarvt Fotografien, Moderne und Harmonie so schön – Anthropomorphismen funktionieren besonders gut. Vielen Dank an Frau M. für die Erinnerung, ich werde meinem Gedächtnis verordnen, seine Prioritäten zu überdenken.

Hier einige Beispiele, aber besser, man schaut sich alle an: unhappyhipsters.com