Spruch des Tages …

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… von Kurt Schwitters:

›Die Werbeleute denken immer, daß andere Leute auch dächten, und daß andere Leute, wenn sie denken, genau so wie sie dächten, dabei denken sie aber vorbei. Besonders denken sie dann aber vorbei, wenn sie denken, daß andere dächten, bevor sie gesehen haben.‹

Kurt Schwitters: Gestaltende Typographie. In: Sturm, Sonderheft Typographie, Jg.19, Heft 6, 1928, S.265–279

 


Derrière-Garde statt Dernier-Cri

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Auf eine Party zu kommen, auf der jemand das gleiche Kleid trägt, wie man selbst, ist immer unangenehm. Besonders unangenehm ist es allerdings, wenn man nicht bei H&M, sondern bei einem kleinen, hippen Label eingekauft hat. Ähnlich muss es den Urhebern dieser beiden Plakate gehen. Die jungen Studenten, die von Marktbedürfnissen noch unbescholtenen, ungehemmt Kreativen, ausgerechnet die haben keine einzigartigen Ideen mehr? Und schlimmer noch: Das Schauspielhaus Wuppertal verwendete diese Technik schon in der vorletzten Spielzeit. Zu nah, um von Retro zu sprechen, nah genug, um als Spätmerker gebrandmarkt zu werden.

Bleibt immer noch die Möglichkeit, alles auf die Medien zu schieben. fffound etc. führen dazu, daß Studenten nur noch Bilder gucken, statt Ideen denken, bewusst oder unbewusst plagiieren statt quer zum common sense zu gestalten. Stimmt das? Und wenn ja, ist das schlimm? Kann sein, muss aber nicht, vgl. dazu den Artikel von Steven Heller in ff. Erinnerung. Dort schreibt er klug über die Balance zwischen dem Muß, kulturell lesbare Bilder zu verwenden und dabei doch immer ein bißchen am Erwartbaren vorbei zu gestalten.


Gibt es ein Selbst-Plagiat?

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Finde nur ich das merkwürdig übertrieben? Jonah Lehrer entschuldigt sich öffentlich dafür, daß er seine eigenen Gedanken mehrfach verwendet? hier

Da drängt sich die erschreckende Erkenntnis auf: Gedanken werden inzwischen verkauft. Sie sind eine Ware, ein Produkt. Wer etwas für ›wired‹ gedacht hat, darf nicht einfach das Selbe für den ›New Yorker‹ denken.

But what about Style? Uwe Loeschs Arbeiten erkennt man auch sofort als die seinen. Darf ich ihn deshalb jetzt verklagen? Ich werde vorsichtshalber ab jetzt Fußnoten mit mir herumtragen.


Sprachverwirrung. Oder: Die Maßstäbe von Designern

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Freudig durchblätterte ich die neue Form, erleichtert, daß sie der Designwelt erhalten bleibt und stieß gleich auf eine Bestätigung dafür, daß wir Designer eben in einer Welt nach unseren Maßstäben leben.

Dort stand nämlich, Ueble habe für den neue Konzernsitz von Adidas ›überlebensgroße Buchstaben‹ im Gebäude angebracht. Ich fragte mich: Wie groß ist denn so ein lebender Buchstabe? … Und war natürlich entzückt, daß der Autor des Artikels offenbar Buchstaben als gleichwertige (oder zumindest gleich große) Mitbewohner dieser Welt betrachtet. Ich wünschte bloß, es gäbe mehr freilaufende Buchstaben – das Stadtbild würden sie in vielen Fällen wohl mehr aufwerten, als viele der freilaufenden Menschen dies tun. Was mich auf das Buch ›Der Helvetica Mann‹ von Klaus Hesse bringt, in dem er Charakteren Schriften zuordnet – übrigens ein herrlicher Zeitvertreib für lästige Zugfahrten in überfüllten Regionalexpressen (way too much Comic Sans and Rotis). In diesem Sinne: Würde bitte jemand diese Arial-Hipster vertreiben? s.u.

 


Helvetica vs. Arial / Designer vs. Freizeithipster

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Eine süchtig-machende App: Unter Zeitdruck muß man entscheiden, ob es sich bei der gezeigten Schrift um Arial oder Helvetica handelt. Hinterhältig wird die Helvetica manchmal so schlecht spationiert, daß man sie kaum erkennt, was einen Moment der Scham nach sich zieht, denn wer sich wie ich lautstark gegen die Arial wehrt, sollte sie doch wenigstens treffsicher erkennen können, oder? Verstärkt wird dieses Gefühl durch die Tatsache, daß man – nachdem zunächst Worte, Namen und Phrasen aus dem Designerkontext als Schriftbeispiel gezeigt werden – plötzlich gesagt bekommt ›What a boring life you must have to get such an App‹. Pöh. Trotzdem: unbedingt spielen! Gibt’s hier.

Weniger leicht wird es, diesen Unterscheidungs-Modus – wie oben vorgeschlagen – auf Menschen zu übertragen: Bis vor wenigen Jahren war es leicht, meine Peergroup zu erkennen. Auf Partys wußte man gleich, mit wem man auf jeden Fall interessante Gespräche führen kann etc. Heute denke ich oft: Oh, der ist sicher auch Designer. Und es stellt sich heraus, daß es ein Psychologe oder, viel schlimmer: ein Unternehmensberater im Freizeit-Look ist (und versuch’ dann mal, aus dem Gespräch wieder rauszukommen – das sind schrecklich monologisch veranlagte Menschen!). Offenbar versagt also meine Zeichen-Erkennung, weswegen ich mir sogleich das bei Amüsement-Bedarf sehr empfehlenswerte Buch ›Hip‹ von Josh Aiello zu Gemüte geführt habe. Darin werden die unterschiedlichen Typen von Hipstern als Gattung (mit Anlehnungen an den Biologie-Sprachstil) charakterisiert, u.a. erwähnter Feierabend-Hipster.

 


Typography-Apps

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Und wenn ich einmal dabei bin: Auch diese Apps sind die Erfüllung meines Traums – bloß daß ich schon so alt bin, daß ich diese Spiele analog und mit Pappe gespielt habe:

Typo-Memory von leicht (a-Paare finden) bis anspruchsvoll (kleines a dem Gestalter zuordnen) – nennt sich Typography* und gibt es hier.

Auch schön ist das Font Game, bei dem man Schriften auf Multiple-Choice-Basis erkennen muß – gibt es hier.

Anspruchsvoll auch die Browser-basierte App ›Shape-Type‹, die auffordert, den verbeulten Buchstaben in die richtige Form zu ziehen – gibt es hier.

 

Und vom gleichen ›Hersteller‹ KernType, erhältlich hier.

 

 


Datensammler

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Ein Datensammler? So etwas in Zeiten wie diesen neben meiner Wohnung aufzuhängen löst ein Gefühl der Bedrohung aus, das es zuletzt in DDR-Zeiten gab!