Deutsche Weihnachten

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Dieses Jahr verschickten wir als Weihnachtsgruß das Foto eines übertrieben kitschig-weihnachtlich dekorierten Hauses. Sogleich wurde ich von diversen Amerikanern gefragt, ob dies eine typisch deutsche Dekoration sei. Als Innenstadt-Bewohnerin verneinte ich entschieden. Derartiges würde in Deutschland als schamlos abgelehnt. Heimgekehrt ins Ruhrgebiet wurde ich sogleich eines Besseren belehrt, denn neben minimalistisch ›modernen‹ Buddha-Arrangements

finden sich hier auch mit Weihnachtsdekoration überhäufte Häuser. Als ich dann auch noch das Geräusch eines Elektromotors vernahm, war ich endgültig verzückt – sollte es etwa sogar bewegliche Teile geben? Schlittenfahrende Weihnachtsmänner entlang der auf genormter Traufhöhe angebrachten Regenrinne? Nein. Es waren bloß die elektrisch und gewiss mit Zeitschaltuhr getimten Rollläden, die herunter fuhren. Um 17.18 Uhr. So wird aus der importierten amerikanischen Kultur ein wahrhaft deutscher Weihnachtszauber, wie schön.


Gedanken einer Doktorandin in der Krise

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Immerhin konnte ich lachen, als Mechthild Grossmann auf der Bühne nonchalant feststellte:
›Wissenschaftler haben einen neuen Stern entdeckt. Heller ist es dadurch nicht geworden.‹

 


Work Hard – Play Hard

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›Das kannst du dir ergebnisoffen überlegen‹ hörte ich jemandem am Zug in sein Mobiltelefon sagen. Und wurde auf diese Weise an den hervorragenden Film ›Work Hard – Play Hard‹ erinnert. Ich wage es kaum, ihn einen Dokumentarfilm zu nennen, denn obgleich es im Grunde eine kommentarlose Zusammenstellung von Szenen aus Bewerbungsgesprächen, Evaluationen, Meetings etc. ist, stellt er die neue, schöne Arbeitswelt in bissiger Weise dar. Die teamgerechte Architektur, flexible Arbeitsplätze, Manager-Jargon – ich selbst hatte mehr als eine halbe Stunde lang eine Sprachstörung als ich den Film verließ. Man freut sich über die wenigen non-konformen Mitarbeiter, hat aber gleichzeitig das Bedürfnis zu rufen: ›Nein, Du musst das und das sagen!‹ In erwartbarer aber dennoch deprimierender Weise versagt die Architektur, die Mitarbeiter bleiben unmotiviert und die ergreifenden Ansprachen der Chefs verpuffen in ablehnenden Gesichtern. Der Arbeitsalltag zerstört die allzu optimistisch in Coaching-Hirnen ausgedachten Ideen, der Mensch bleibt Mensch, Arbeit Arbeit.

Worte können es kaum fassen, besser anschauen – und nicht nur den Trailer:

http://www.workhardplayhard-film.de