Internat für Designer

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Designern geht es gut. Ich erlebe es täglich an der Universität. Unser Gebäude ist das einzige, das über gut gestaltete Armaturen, funktionale Türklinken etc. verfügt; der Rest der Universität zeigt größtenteils und oft eindrucksvoll die schlimmen Folgen schlechter Gestaltung.

Natürlich fühle ich mich durch diese Bevorzugung geschmeichelt – aber ist sie sinnvoll? Auf den ersten Blick ja, sind doch unsere Augen und Funktionalitäts-Sensoren sehr empfindlich und die damit verbundene Frustrationsgrenze niedrig. Trotzdem möchte ich fragen: Wäre es nicht förderlicher, Designer mit einer schlecht gestalteten Welt zu konfrontieren? Mit Wasserkochern, bei denen man sich die Finger am aufsteigenden Wasserdampf verbrennt, wenn man das Wasser ausschüttet. Mit nervig blinkende Lichtern an Monitoren und Telefonen. Mit Knöpfen, die keinen Hinweis darauf geben, ob das Drücken selbiger registriert wurde. Kurz: Mit all dem, was es trotz einer nicht geringen Zahl von ausgebildeten Designern immer noch gibt. Ich halte es für sinnvoll, im ersten Semester wenigstens einen Wochenendausflug in eine entsprechend präparierte Umgebung zu machen.

(Nahezu resigniert schnaubend muss ich allerdings auch zugeben, dass all diese nervigen und gefährlichen Produkte vermutlich nicht von ausgebildeten Designern stammen, sondern Ausdruck der immer noch unbefriedigenden Professionalisierung sind. Zu viel darf von Menschen ›gestaltet‹ werden, die nur auf die Produktion, nicht auf den Nutzer schauen. Aber das ist ein anderes Thema.)