Verhipstert.

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Das Café Wahlen in Köln ist bekannt für hervorragenden Kuchen und authentische 50er Jahre Atmosphäre. Interieur und Tapeten machen in Kombination mit den in pastellfarbene Kleidung gehüllten Damen ist eine Zeitreise erschwinglich. In einer Phase der Rückwärtsgewandtheit beschloss ich daher, diesen Ort aufzusuchen. Schon aus 50m Entfernung musste ich feststellen, dass ich nicht die einzige ›junge Dame‹ war, die dieses Bedürfnis verspürt hatte. Das Café war voll mit jungen Hipstern, einige ältere Damen und Herren mussten wie ich auf einen Tisch warten während Bio-Mütter im Innenraum ihre Babys stillten und Magazinlesende sich ihre Hornbrillen zurecht rückten. Der Blick durch selbige dürfte sie enttäuscht haben, denn offenbar war die ›Gentrifizierung‹ des Cafés schon so weit fortgeschritten dass nicht nur die auf Distinktion bedachten Hipster das Café aufsuchten, sondern auch die, von denen man sich so gern positiv durch Hippness abgegrenzt hätte. Junge, gewöhnlich gekleidete Menschen, laut lachend und offenbar in Event-Stimmung fläzten sich ebenso an den Tischen.

Zwei Fragen schossen mir bei diesem Szenario in den Kopf: Wo gehen die Omas jetzt hin? Ins Altenheim-Café? Und werden die Hipster ihnen folgen? Ich kam zu dem optimistischen Schluß, dass sich unter den Hipstern schnell herumsprechen wird, dass das Café Wahlen inzwischen von zweifelhaften Gestalten aufgesucht wird und sie sich daraufhin zurück ziehen werden. In Folge werden eben jene zweifelhafte Gestalten auch nicht mehr kommen, denn der Hip-Faktor ist nicht mehr gegeben. Bleibt zu hoffen, dass die eleganten alten Damen bis dahin durchhalten und sich bald wieder an ihrer Sahnetorte erfreuen können.

 


Anmerkungen zu Logans Run

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1. Wann immer man sich einen Science-Fiction-Film anschaut, wird man mit der aktuellen Mode oder Anleihen aus den 60ern konfrontiert. Das ist durchaus hübsch, aber warum gelingt es ausgerechnet der schnelllebigen und einfallsreichen Mode nicht, in die Zukunft zu schauen? Auch die Möbel bleiben dem Zeitgeist verhaftet oder rekurrieren auf die Zeit, in der man noch an die Zukunft glaubte: die 60er. Vielleicht ist es schlicht einfacher und wirkungsvoller sich der Bilder zu bedienen, die zuverlässig die Assoziation ›Zukunft‹ hervorrufen, statt neue Bilder zu schaffen. Mit Blick auf die Technik scheint es einfacher zu sein, über das Aktuelle hinaus zu denken. Die Imagination des Verkehrssystems in Logans Run ist bis heute nicht realisiert worden.

2. Ich finde es sendet eine bedenkliche Botschaft aus, wenn der Hauptdarsteller, als er in der freien Welt angekommen ist, seinen Freund tötet, bloß weil dieser sich um ihn sorgt und ihn in die ›alte‹ Welt zurück holen möchte.

3. In der Figur von Ustinov wird nicht deutlich, was denn nun der Wert des Altwerdens ist (Logan kommt aus einer Welt, in der jeder an seinem 30. Geburtstag umgebracht wird). Beim Zusammentreffen mit diesem alten Mann werden einzig seine faszinierenden Falten bewundert. Und die Frau findet (1976) an der freien Welt einzig die Tatsache toll, dass man dann länger mit dem Partner zusammen sein kann.

 


Vorurteile

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Die Idee des ›gründlichen Deutschen‹ wird offenbar durch fehlende Sprachkompetenz stabilisiert: Im ICE zückte ein zunehmend genervter Ausländer jedes Mal sein Ticket, wenn der Schaffner in den Raum fragte ›Zugestiegene Fahrgäste?‹.