Verhipstert.

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Das Café Wahlen in Köln ist bekannt für hervorragenden Kuchen und authentische 50er Jahre Atmosphäre. Interieur und Tapeten machen in Kombination mit den in pastellfarbene Kleidung gehüllten Damen ist eine Zeitreise erschwinglich. In einer Phase der Rückwärtsgewandtheit beschloss ich daher, diesen Ort aufzusuchen. Schon aus 50m Entfernung musste ich feststellen, dass ich nicht die einzige ›junge Dame‹ war, die dieses Bedürfnis verspürt hatte. Das Café war voll mit jungen Hipstern, einige ältere Damen und Herren mussten wie ich auf einen Tisch warten während Bio-Mütter im Innenraum ihre Babys stillten und Magazinlesende sich ihre Hornbrillen zurecht rückten. Der Blick durch selbige dürfte sie enttäuscht haben, denn offenbar war die ›Gentrifizierung‹ des Cafés schon so weit fortgeschritten dass nicht nur die auf Distinktion bedachten Hipster das Café aufsuchten, sondern auch die, von denen man sich so gern positiv durch Hippness abgegrenzt hätte. Junge, gewöhnlich gekleidete Menschen, laut lachend und offenbar in Event-Stimmung fläzten sich ebenso an den Tischen.

Zwei Fragen schossen mir bei diesem Szenario in den Kopf: Wo gehen die Omas jetzt hin? Ins Altenheim-Café? Und werden die Hipster ihnen folgen? Ich kam zu dem optimistischen Schluß, dass sich unter den Hipstern schnell herumsprechen wird, dass das Café Wahlen inzwischen von zweifelhaften Gestalten aufgesucht wird und sie sich daraufhin zurück ziehen werden. In Folge werden eben jene zweifelhafte Gestalten auch nicht mehr kommen, denn der Hip-Faktor ist nicht mehr gegeben. Bleibt zu hoffen, dass die eleganten alten Damen bis dahin durchhalten und sich bald wieder an ihrer Sahnetorte erfreuen können.

 


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